Amina AtAullah. Vor sechs Jahren kam sie mit ihren drei Söhnen nach Deutschland. Im letzten Sommer hat Amina bei uns ihren Schulabschluss nachgeholt. Nun beginnt sie eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten. Im Interview hat sie ihre Geschichte erzählt.

Unsere ehemalige Teilnehmerin Amina Ataullah mit ihrem Lebensmotto „Life is an exam for everyone“, das sie auch für ihren Steckbrief in ihrem ersten Englisch-Unterricht bei der VHS ausgewählt hat.

Erzählen Sie mal von sich. wann sind Sie nach Deutschland gekommen, was macht Sie aus, was ist Ihre Geschichte?

Vor sechs Jahren bin ich mit meinen Kindern, ich habe drei Söhne, aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Zu dem Zeitpunkt waren sie noch jung. Mittlerweile sind sie ziemlich groß geworden. Sie sind 23, 20 und 16 Jahre alt. In Afghanistan dürfen Frauen nicht lernen und auch keine Ausbildung machen. Aber genau das wollte ich. Hier in Deutschland hatte ich die Möglichkeit dazu und die Chance, mir eine sichere Zukunft aufzubauen. Als wir ankamen, war es natürlich zuerst schwer. Ich konnte die Sprache noch nicht. Aber meine Kinder können gut Englisch und so hat es trotzdem funktioniert. Meine Kinder und ich haben dann Deutsch gelernt. Ich habe Kurse bis B1+ gemacht. Danach wollte ich gerne eine Ausbildung anfangen. Doch ohne Abschluss geht das nicht. Das Jobcenter hat mir dann die Chance gegeben, bei der VHS einen Schulabschluss zu machen. Ich habe gesagt: Wenn ich das 1. Semester (Anm.: die Einteilung der Halbjahre bei der Schulischen Weiterbildung erfolgt auch in Semester) nicht schaffe, gehe ich direkt arbeiten. Im Sommer 2018 habe ich dann angefangen und ich habe das Semester geschafft! Zuerst war es etwas ungewohnt. Ich war mit Menschen in einer Klasse, die so alt waren wie meine Kinder. Im Sommer 2020 habe ich dann alle Semester geschafft und meinen Hauptschulabschluss nach Klasse 10 gemacht. Ich habe dann nach einer Ausbildung gesucht und fange jetzt meine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten an. Erst wollte ich eine Ausbildung im Einzelhandel machen, aber im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, dass das besser zu mir passt. Auch mein Vater hat immer gesagt, dass Ärztin ein guter Beruf wäre. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich das geschafft habe.

Warum wollten Sie einen Abschluss machen? Was war dabei die größte Herausforderung?

Damit ich eine Ausbildung anfangen kann. Lernen ist außerdem mein Hobby. Hier in Deutschland gibt es Möglichkeiten für klein und groß zu lernen. Für mich war die Chance also noch nicht vorbei, ich habe sie genutzt. In meinem Heimatland gibt es diese Möglichkeiten nicht.
Die größte Herausforderung war das Deutsch sprechen. Alle in meiner Klasse waren Muttersprachler. Und natürlich waren auch alle Fächer auf Deutsch. Deswegen habe ich viel geübt, damit ich alles verstehe. Ich habe auch zu Hause viele Dinge übersetzt und versucht zu verstehen. Meistens waren das zwei Stunden am Tag. Einen Abschluss zu machen und gleichzeitig drei Kinder großzuziehen, war schwer. Aber ich wollte mir den Wunsch erfüllen. Deswegen habe ich, wenn die Kinder in der Schule waren, alles im Haushalt erledigt und mir einen Stundenplan für meinen Lehrgang bei der VHS gemacht. Ich denke, wenn man ein Ziel wirklich erreichen will, kann man das schaffen.

Was waren Ihre Lieblingsfächer? fiel Ihnen etwas besonders schwer?

Meine Lieblingsfächer waren Mathe und Englisch. Beide Sachen waren für mich einfach und haben mir gefallen. Deutsch fand ich schwierig, wie ich schon gesagt habe.

Wie sehen Ihre Zukunftsvorstellungen aus und Was möchten Sie noch erreichen?

Ich möchte gerne meine Ausbildung schaffen und eigenes Geld verdienen. Damit möchte ich dann auch gerne mein Heimatland unterstützen. Viele dort sind sehr arm und haben nichts zu essen oder können sich neue Kleidung kaufen. Meine Kinder können dann in Zukunft auch für sich selbst sorgen. Mein ältester Sohn ist auch schon ausgezogen und arbeitet. Meine anderen Kindern wohnen noch bei mir. Mein mittlerster Sohn sucht auch eine Ausbildung und mein jüngster geht noch zur Schule. Ich wünsche mir auch für sie, dass sie eine sichere Ausbildung bekommen. Ich helfe meinen Kindern, damit sie ihren Weg gehen können. Darüber freue ich mich. Deutschland ist ein hilfsbereites Land. Wenn das jemand wirklich will, kann er hier eine richtige Zukunft aufbauen. Auch als Frau kann man hier so viel lernen.

Was würden Sie anderen raten? haben sie Tipps, die Sie Anderen mitgeben Können?

Als ich einmal an einer Haltestelle stand, habe ich mit einer Frau gesprochen. Seit 30 Jahren war sie in Deutschland. Sie hatte immer den Haushalt gemacht und die Kinder erzogen und war nie arbeiten, weil ihr Mann das nicht wollte. Er war vor kurzem verstorben. Weil sie nie gearbeitet hat, bekam sie keine Hilfen und musste zurück in ihr Heimatland. Das hat mir noch einmal gezeigt: Man hat hier so viele Möglichkeiten. Aber man muss auch selbst etwas dafür tun.
Und wenn man an sich glaubt, dann kann man etwas erreichen. In meinem Heimatland durfte ich nichts tun. Deswegen habe ich meine Zukunft selbst in die Hand genommen.

Informationen zu unserer Abteilung Schulische Weiterbildung findet ihr hier: https://vhs.duesseldorf.de/vhs/schulischundgrundbildung.html

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